Steuerfreies Pendeln ab 2019 – ein Interview mit Susanne Weber, WTS Steuerberatungsgesellschaft mbH

Susanne Weber, Partner bei der Steuerberatungsgesellschaft WTS in München, über die künftige Steuerbegünstigung für das Jobticket und Zuschüsse für die Fahrt zur Arbeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln und was die Gesetzesänderung in 2019 für Arbeitgeber und Arbeitnehmer bedeutet.

 

MOBIKO: Die Koalition hat zum 1. Januar 2019 eine Gesetzesänderung beschlossen – was wird sich im Steuergesetz ändern?

Susanne Weber: Arbeitgeber können ab 1. Januar 2019 ihren Mitarbeitern die Aufwendungen für ihren täglichen Arbeitsweg, d.h. die Fahrt zur „ersten Tätigkeitsstätte“ steuerfrei erstatten. Das gilt allerdings nur, wenn die Mitarbeiter öffentliche Verkehrsmittel im Linienverkehr nutzen und wenn die Erstattung zusätzlich zum geschuldeten Arbeitslohn hinzukommt. Der Flugverkehr – im Sinne des Arbeitsweges – wird nicht steuerlich begünstigt. Das gleiche gilt für Taxis, da diese nicht im Linienverkehr fahren. Neben der Steuerbegünstigung für Arbeitgeberleistungen, die sich auf den Weg zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte beziehen, gilt die Steuerbefreiung auch für private Fahrten im öffentlichen Personennahverkehr. Oder mit anderen Worten ausgedrückt: Die Steuerbegünstigung gilt sowohl, wenn Mitarbeiter mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Linienverkehr in die Arbeit fahren, es können aber auch private Fahrten in der Freizeit im öffentlichen Personennahverkehr vom Arbeitgeber steuerfrei bezuschusst werden.

 

MOBIKO: Derzeit gibt es ja nur das Jobticket, welches der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern steuerlich begünstigt für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zur Verfügung stellen kann. Bedeutet das, dass der Arbeitgeber neben dem steuerfreien Jobticket auch private Fahrten ab nächstem Jahr steuerfrei bezuschussen kann?

Susanne Weber: Genau. Begünstigt werden soll hier aber nur der öffentliche Personennahverkehr. Welche Verkehrsmittel die neue Regelung letztendlich umfassen wird, ist allerdings noch nicht definiert. Hier bleibt abzuwarten, wie sich die Finanzverwaltung äußern wird. Das Bestreben der Koalition für diese Gesetzesänderung lag darin, die deutschen Städte vom Individualverkehr zu entlasten und damit die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln zu fördern.

 

MOBIKO: Welche Auswirkungen hat die Gesetzesänderung nun konkret für den Arbeitgeber?

Susanne Weber: Bislang waren Arbeitgeberleistungen für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte steuerpflichtig. Der Arbeitgeber konnte diese Zuwendungen allerdings mit 15 % pauschal versteuern. Nur wenn die Arbeitgeberleistung als Sachbezug gewährt wurde (z.B. wenn eine Fahrkarte zur Verfügung gestellt wurde), konnte sie im Rahmen der sog. 44 Euro Freigrenze steuerfrei bleiben. Dabei handelt es sich jedoch um eine monatliche und mitarbeiterbezogene Freigrenze. Ist diese Freigrenze bereits durch ein Jobticket ausgeschöpft, kann sie nicht mehr für andere Sachleistungen, wie beispielsweise Essenseinladungen oder sonstige Geschenke verwendet werden. Mit der jetzt eingeführten Steuerfreiheit brauchen wir die 44-Euro-Freigrenze nicht mehr für diese Sachverhalte und können sie für andere Sachbezüge nutzen.

Für die Mitarbeiter ein kleiner Wermutstropfen: Die steuerfreien Arbeitgeberleistungen für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte müssen in der Einkommensteuererklärung des Mitarbeiters auf die Entfernungspauschale angerechnet werden. Das war allerdings bisher auch schon so, wenn die Leistungen im Rahmen der 44 € Freigrenze steuerfrei geblieben sind.

 

MOBIKO: In anderen Worten zusammengefasst: für Arbeitnehmer ist es jetzt möglich, sich den täglichen Arbeitsweg von ihrem Chef bezahlen zu lassen, ohne dass zusätzliche Steuern anfallen?

Susanne Weber: Genau. Letztendlich bleibt für den Mitarbeiter mehr netto vom brutto übrig. Die neue Steuerfreiheit führt auch zur Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung. Damit sparen sich sowohl der Arbeitgeber als auch der Mitarbeiter die Sozialversicherungsbeiträge. Wenn die Mitarbeiter ihre Fahrkarte selbst bezahlen müssen, dann zahlen sie diese aus dem bereits versteuerten Einkommen – und dabei sind auch die Sozialversicherungsbeiträge abgezogen.

 

MOBIKO: Ganzheitlich betrachtet hat die Steuerreform Vorteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber?

Susanne Weber: Das kann man so sagen.

 

MOBIKO: Wie können Arbeitgeber die neue Steuerfreiheit nun konkret für sich nutzen? Wie sieht die Umsetzung in der Praxis aus?

Susanne Weber: Im ersten Schritt müssen sich Arbeitgeber entscheiden, wie sie die Fahrten ihrer Mitarbeiter bezuschussen möchten. Ob sie ihren Mitarbeitern einen entsprechenden Fahrtkostenzuschuss einfach über die Gehaltsabrechnung oder die Reisekostenabrechnung – ohne Nachweiseinforderung – geben können, ist fraglich. Hier kennen wir noch nicht die Anforderungen der Finanzverwaltung. Der Arbeitgeber kann dem Arbeitnehmer z.B. auch eine Fahrkarte kaufen bzw. zur Verfügung stellen, eventuell sogar durch Rahmenvereinbarungen mit „Dritten“ (z.B. den jeweiligen Verkehrsbetrieben), die den Mitarbeitern die Fahrt zur Arbeit ermöglichen.

Unabhängig vom Erstattungsweg muss darauf geachtet werden, dass der Arbeitgeber die steuerfreien Arbeitgeberleistungen für die Fahrten zur Arbeit, in der Lohnsteuerbescheinigung des Mitarbeiters aufführt. Das ist im Einkommenssteuergesetz so vorgeschrieben. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Mitarbeiter in ihrer Steuererklärung die Werbungskosten um den steuerfrei erstatteten Betrag reduzieren und eine doppelte Berücksichtigung somit ausgeschlossen werden kann.

 

MOBIKO: Wenn Mitarbeiter flexibel unterwegs sein wollen und keine Jahreskarte für den ÖPNV kaufen möchten, können dann auch Monatskarten, Wochenkarten oder sogar Einzelfahrkarten beim Arbeitgeber vorgelegt werden?

Susanne Weber: Das ist möglich. Egal ob Monats-, Wochen-, oder Einzelfahrkarten, der Mitarbeiter kann seine Aufwendungen immer nachweisen. Das Personalbüro kann die gesammelten Belege dann zusammenrechnen und über die Gehaltsabrechnung zurück erstatten. Denkbar wäre auch, diesen Prozess über die Reisekostenabrechnung abzuwickeln. Allerdings muss dann sichergestellt werden, dass diese Beträge in der Lohnsteuerbescheinigung ausgewiesen werden. D.h. es muss eine Schnittstelle zur Lohnbuchhaltung bestehen. Fahrkarten, die für Dienstreisen bezogen wurden, können wie bisher steuerfrei erstattet werden. Allerdings müssen diese nicht in der Lohnsteuerbescheinigung ausgewiesen werden. Das gleiche gilt für die steuerfreien Fahrten mit dem ÖPNV. Auch diese müssen nicht in der Lohnsteuerbescheinigung bescheinigt werden.

 

MOBIKO: Das hört sich nach einem immensen administrativen Aufwand für Unternehmen an?

Susanne Weber: Ja. Letztendlich immer, wenn Arbeitgeber ihren Mitarbeitern „mehr“ als nur das monatliche Gehalt gewähren und dabei bestimmte steuerliche Begünstigungen nutzen möchte, führt das zu einem gewissen Verwaltungsaufwand für Unternehmen – mal höher, mal geringer, je nachdem, um was für Zuwendungen es sich handelt.

 

MOBIKO: Gibt es denn noch weitere Möglichkeiten, wie die Abwicklung vereinfacht werden könnte bzw. welche Möglichkeiten der Abrechnung Arbeitgeber neben den genannten noch nutzen könnten?

Susanne Weber: Es gibt bereits einige Lösungen am Markt, die Unternehmen dabei unterstützen, steuerliche Grundsätze bestmöglich auszuschöpfen, egal ob z.B. mit der 44-Euro-Sachbezugsfreigrenze oder durch eine Pauschalversteuerung gemäß § 37b EStG. Meist ermöglichen diese Lösungen auch, die zu sammelnden Mobilitätsausgaben in Form von Fahrkarten, Rechnungen oder anderen Belegen einfach zu erfassen, die entsprechenden Beträge maximal steuerbegünstigt abzurechnen und den Arbeitgeber damit vom Verwaltungsaufwand zu entlasten.

 

MOBIKO: Letztlich ist festzuhalten, dass mit der Steueränderung für beide Parteien, sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer, Vorteile entstehen. Was ist nun der nächste konkrete Schritt für Unternehmen – sich um eine einfache Umsetzung zur Ausnutzung der Steuerfreiheit zu kümmern?

Susanne Weber: Richtig. Das gelingt mit entsprechender Unterstützung von extern. Durch innovative Digitalisierungs-Ansätze im Bereich „Mitarbeiterbenefits“ gibt es heute bereits Wege, die Umsetzung für den Arbeitgeber einfach zu gestalten, damit diese ihren Mitarbeitern steuerbegünstigte Gehaltsextras anbieten können – ohne großen Verwaltungsaufwand.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview, Frau Weber.

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