“Sind wir bald da?” Wem kommt diese Frage nicht bekannt vor? Lange Autofahrten, ob zu einem Geschäftstermin, in den Urlaub oder zu einem Besuch bei der Verwandtschaft, sowie lange Staus sind oft unumgänglich und für Mitreisende häufig mühsam, langweilig und verlorene Zeit. Während der Fahrer sich auf den Verkehr konzentriert und dabei (oftmals) auch das Fahrerlebnis an sich genießt, kann die unüberbrückbare Zeit für Mitfahrende gar nicht schnell genug vergehen. 

In mittelbarer Zukunft werden wir immer häufiger in die Passagier-Rolle schlüpfen, zumal uns Fahrzeuge künftig auch autonom von A nach B befördern werden. Klar, zeitweise kann sich jeder mit geschäftlichen Themen, Unterhaltungen, Gaming-Apps, Büchern usw. beschäftigen – doch irgendwann ist auch beim spannendsten Podcast die Luft raus oder eine Pause vom Autokennzeichen-Ratespiel nötig. Wir haben uns gefragt, wie Reisezeit für alle Nicht-Fahrer angenehmer und vor allem unterhaltsamer gestaltet werden kann. Und damit waren wir offensichtlich nicht die Einzigen. 

Wenn Virtual Reality auf die wahre Welt trifft: anstatt geistesabwesend und stillschweigend aus dem Fenster zu starren, hat das Münchner Startup holoride ein völlig neuartiges Unterhaltungsprogramm für Passagiere geschaffen, um die bisher öde und langatmige Fahrzeit für Mitreisende in ein einzigartiges  Fahrerlebnis zu verwandeln. 

So haben wir das Gespräch mit Marcus Kühne, 44 – Chief Experience and Partnership Officer (CXO) & Co-Founder von holoride gesucht, der uns bei einem spannenden Austausch in eine neue Welt der Unterhaltungsmöglichkeiten entführt hat. Lesen Sie selbst:

v.l.n.r.: Daniel Profendiner (CTO), Marcus Kühne (CXO), Nils Wollny (CEO). 

Hallo Marcus! Wir freuen uns sehr auf den Austausch mit dir. Kannst du uns zunächst kurz erzählen, wer ihr seid und wo ihr herkommt?

Hallo MOBIKO. Wir, das sind Daniel Profendiner (37, CTO), Nils Wollny (39, CEO) und Marcus Kühne (44, CXO) – haben holoride gemeinsam gegründet und wollen damit das In-Car Entertainment revolutionieren. Unser (gründergeführtes) Startup gibt es seit 2019 und zählt bereits 15 smarte Köpfe aus den verschiedensten Branchen. Wir sind sehr froh, Talente von BMW, Audi, Apple, Amazon und anderen namhaften Unternehmen zu unserem internationalen Team zählen zu können. Unser Firmensitz ist im Herzen Münchens, direkt am Salvatorplatz (unweit vom Odeonsplatz), in einem super lässigen Co-working Space. ☺

Das „In-Car Entertainment revolutionieren“ klingt nicht nur super fancy, sondern auch extrem spannend und vielversprechend. Wie genau sieht das aus und welchen Mehrwert bietet ihr Passagieren?

Wir entwickeln eine völlig neue Content-Kategorie für Mitfahrende, indem wir Extended Reality-Inhalte, also real und virtuell kombinierte Umgebungen, mit Datenpunkten aus dem Fahrzeug in Echtzeit verbinden. Zu diesen Datenpunkten gehören physische Rückmeldungen wie Beschleunigung und Lenkung, Verkehrsdaten sowie Fahrtroute und -zeit. Die holoride-Technologie ermöglicht ein neues Eintauchen in jede Art von XR (Extended Reality) Content, schafft so ein atemberaubend immersives Erlebnis und reduziert darüber hinaus die Symptome von Reiseübelkeit erheblich. Kurzum: mittels VR-Brille und unserer holoride-Technologie verwandeln wir Autos in „mobile Themenparks“ für Mitreisende. 

Wie das anhand von konkreten Beispielen aussehen kann, seht ihr in unserem Video:

Unglaublich! Da möchte man sich am liebsten direkt auf die Rückbank setzen – und das Abenteuer kann beginnen. Aber zurück zu euren Anfängen: wie ist euch eigentlich die initiale Idee für die holoride-Technologie gekommen bzw. wie ist diese entstanden?

Oft wird ja von Schicksal und Fügungen gesprochen, wenn Menschen zueinander finden. Ganz so dramatisch war es bei uns dann doch nicht. Aber man kann es durchaus als einen schönen Zufall beschreiben. Wir alle drei haben für den Konzern mit den vier Ringen im Logo gearbeitet, zum Teil auch in ganz unterschiedlichen Bereichen. Daniel und ich sind dann tatsächlich von der Patentabteilung der AUDI AG vernetzt worden, weil wir beide unabhängig voneinander und zur gleichen Zeit ein identisches Patent angemeldet haben — so viel sei gesagt: es hatte was mit holoride zu tun.

Während Daniel zu der Zeit das Thema Einsatz von immersiven Technologien im Fahrzeug vor allem aus technisch-konzeptioneller Sicht betrachtet hat, haben Nils als Head of Digital Business und ich als Strategie-Verantwortlicher für VR / AR auch sehr ausführlich die ökonomische Seite beleuchtet. Wir haben schnell erkannt, dass nur ein Hersteller-unabhängiger Ansatz eine Chance auf Skalierung und kommerzielle Relevanz hat. Mit dieser Erkenntnis und begleitet von großer Begeisterung für die Technologie haben wir das Projekt in jeder freien Minute vorangetrieben und konnten es schließlich erfolgreich den Vorständen von Audi und dem VW-Konzern vorstellen.

Ende 2018 kam die Ausgründung, um eine herstellerunabhängige Lösung zu realisieren. Ganz offiziell haben wir der Welt holoride dann gemeinsam mit den zwei Traumpartnern Audi und Disney auf der CES 2019 in Las Vegas vorgestellt und für positiven Wirbel gesorgt.

Unterhaltungsmöglichkeiten für die Autofahrt gibt es zahlreiche. Wie sieht es denn speziell in eurem Segment mit Mitbewerbern aus? Gibt es vergleichbare In-Car Entertainment Angebote am Markt?

Herkömmliche In-Car Entertainment-Systeme unterliegen vielen Restriktionen und stehen zudem in zunehmendem Wettbewerb mit Smartphones, Tablets oder mobilen Konsolen und ihren attraktiven Öko-Systemen. Hier müssen seitens der OEMs dringend alternative Angebote geschaffen werden, wenn sie dieses im Vorfeld des autonomen Fahrens immer wichtigere Segment nicht gänzlich an dynamische Wettbewerber aus anderen Branchen verlieren wollen.

Genau da setzt holoride an und schafft mit seiner Technologie ein völlig neues Medium, bei dem sich der Passagier mitten im Geschehen wähnt und quasi auf dem Rücksitz seines Fahrzeugs ebenso faszinierende wie immersive Unterhaltung erleben kann. Da der Grad der Immersion (Authentizität & Intensität) bei diesem Formet durch die Einbindung von Strecke und Bewegung noch höher ist als bei herkömmlichen Computer- und Videospielen, kann man aus unserer Sicht sogar sagen, dass es auch außerhalb des Fahrzeugs keine vergleichbaren Entertainment Angebote gibt – maximal noch die aufwändig entwickelten Theme Park Rides in Vergnügungsparks.

Das Auto verwandelt sich durch den Einsatz von holoride also von einer der schwierigsten Umgebungen für audiovisuelles Entertainment zu einer der besten – für mich immer wieder eine sehr motivierende Feststellung.

Ein Blick in die Glaskugel: Warum braucht euch die Mobilitäts- & Entertainmentwelt auch in Zukunft?

Reisezeit ist oft verschwendete Zeit. Besonders im Auto, da wir hier wohl eines der am wenigsten entwickelten Umfelder finden mit Blick auf die sehr begrenzten Möglichkeiten für Unterhaltungsformate.

Aufgrund mangelnder Beschäftigungsmöglichkeiten sind diese Fahrten für die meisten Mitreisenden ungenutzte Zeit und notwendiges Übel. Zudem eignen sich die heutigen Medienangebote nur bedingt für die Nutzung im Auto, da deren Genuss stark eingeschränkt ist — z.B. durch kleine Screens oder Formate, die nicht optimal zur Reisezeit passen. Noch dazu leiden viele Menschen an Reiseübelkeit, weil beim Blick aufs Smartphone oder Tablet während der Fahrt die Sinneseindrücke durcheinander kommen. Durch die bewegungssynchrone Übermittlung der Fahrzeugdaten in Echtzeit wirken wir den klassischen Symptomen der Reiseübelkeit entgegen. Ein Segen für viele Menschen, die an diesem Unwohlsein leiden und oft nichts anderes tun können, als aus dem Fenster zu starren.

Wir schaffen Abhilfe mit einem interaktiven Angebot, das die unterschiedlichsten Facetten für ein immersives Erlebnis bietet. Bei VR denkt man oft als erstes an Gaming, was wir natürlich begrüßen, aber es ist so viel mehr. Bildung, Entspannung und selbst Produktivität in Form eines virtuellen Büros sind sehr anschauliche UseCases, die mit holoride möglich sind.

Wir wurden in unserer Vision von Branchengrößen und Pionieren bestätigt, die unser strategisches Advisory Board bilden: Siehe hier.

Von Münchner Startup zu Münchner Startup: Was bedeutet der Standort München für dich als Unternehmensstandort, aber auch für dich persönlich?

Für uns ist München ein toller Standort – wir waren ja alle drei vorher schon in der Nähe mit Ingolstadt bzw. bereits in München zu Hause und fühlen uns hier super wohl. Neben den großen internationalen Unternehmen, die in München ansässig sind, schätzen wir natürlich auch die Vielfalt und hohe Lebensqualität, den die bayerische Landeshauptstadt bietet. Das ist uns vor allem auch wichtig, um talentierte Leute nach München zu lotsen, wenn sie denn nicht schon hier leben.

Klares Plus ist natürlich auch der internationale Flughafen. Darüber hinaus hat die Vergabe der IAA nach München ab 2021 gezeigt, dass die Stadt national wie international große Bedeutung hat und attraktiv ist.

Ein herzliches Dankeschön an Marcus Kühne und das Team von holoride für das spannende Interview und die Einblicke in das In-Car Entertainment Startup.

Weitere Informationen zu holoride: Hier klicken.

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