Geschäftsmodelle und Lösungen für eine grünere Welt: Trotz der aktuellen Coronakrise ist das Thema Nachhaltigkeit weiterhin Mittelpunkt vieler Debatten und die Entwicklung nachhaltiger Geschäftsideen und Innovationen so wichtig wie nie zuvor. 

Die grünen Märkte und Branchen wachsen seit Jahren. Es gibt immer mehr Menschen, die sich selbstständig auf den „grünen“ Weg machen; engagierte Akteure, die inspirieren und zum Nachdenken anregen; etablierte Unternehmen, die beginnen umzudenken, aber auch Startup-Gründer, die durch ihre nachhaltige Lebenseinstellung und Überzeugung, mit grünen Produkten und Dienstleistungen versuchen, die Welt zu verändern.

Gleichzeitig überschlagen sich die Neuigkeiten über die Entwicklung der „New Green Economy“ in den Medien – Analysen, Porträts, Interviews, Kommentare, Reportagen rund um das Thema Nachhaltigkeit gewinnen zunehmend an Interesse und Relevanz. Und dabei geht es nicht nur um das Einsparen von COEmissionen, sondern darum, gesellschaftliche, soziale und ökologische Verantwortung in vielerlei Hinsicht neu zu denken, einzustehen und weiter auszubauen. Das Spektrum der Nachhaltigkeit ist grenzenlos und betrifft alle Lebensbereiche und Branchen. Doch wie finden grüne Ideen und Innovationen unterschiedlichster Bereiche Gehör? Und anders herum: wo können sich Interessierte und Suchende über innovative, grüne Lösungen informieren, oder sich inspirieren lassen? 

Das Berliner Startup MyBetter.World bringt „grüne Interessengruppen“ auf einer Plattform zusammen und bietet nachhaltigen Themen, Pionieren, Innovatoren, Startups und Unternehmen eine digitale Bühne, um ihre Gedanken, Ideen und Produkte vorzustellen und dabei mit anderen Unternehmern, Investoren sowie Nachhaltigkeits-Enthusiasten in Kontakt zu treten – und zwar per Video. 

Als Green Mobility Startup interessieren uns jegliche Aspekte und Initiativen, wie unsere Zukunft nachhaltiger und grüner gestaltet werden kann. Bei einem spannenden Austausch mit Konrad Kappe, dem CEO & Founder von MyBetter.World, konnten wir einen Blick hinter die Kulissen des Berliner Sustainability-Startups werfen und haben dabei u.a. erfahren, welche Motivation und Vision hinter dem Aufbau und Betrieb eines „YouTube für Nachhaltigkeit“ stehen. 

Hallo Konrad! Wir freuen uns sehr, dich und dein Startup kennenzulernen. Kannst du uns zu Beginn schildern, was MyBetter.World ist und was ihr damit erreichen wollt?

Hallo MOBIKO! Sehr gerne. Wir sind ein Sustainability-Startup aus Berlin und haben die erste Videoplattform für Nachhaltigkeit gebaut. Dort präsentieren wir ausschließlich Videos mit nachhaltigen Inhalten und Angeboten. Wir zeigen das komplette Nachhaltigkeitsspektrum, von nachhaltiger Ernährung, Kleidung, Kosmetik bis hin zu regenerativen Energieoptionen. Kleine, lokale Initiativen berichten hier gleichberechtigt neben internationalen Organisationen.

Unsere Zielgruppe auf der Content-Seite sind tausende von nachhaltigen Unternehmen und Organisationen, deren Videos auf großen, undifferenzierten Plattformen, auf denen jeder alles hochlädt, nicht gefunden werden. Jetzt bekommen eindrucksvolle Videos auch die Aufrufe, die sie verdienen, und zwar exakt durch die Interessent*innen, die diese Produkte auch suchen. 

Unsere Zielgruppe auf der Traffic-Seite ist die dynamisch wachsende Community nachhaltig orientierter Verbraucher*innen und alle Neulinge, die sich auf unterhaltsame Art über nachhaltige Themen und Produkte informieren möchten. Nachdem wir verstärkt auch Hersteller von Investitionsgütern ansprechen (Mobilität, Energie, Circular Economy,…), erwarten wir hierfür eine neue Besuchergruppe mit einem etwas anderen Profil. 

Mit unserem Ansatz wollen wir erreichen, dass nachhaltige Initiativen und Unternehmen sichtbarer und dadurch erfolgreicher werden. So tragen wir dazu bei, dem Thema Nachhaltigkeit (im Sinne der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen) zu mehr Nachhaltigkeit (im Sinne von ökonomischem Erfolg und Bekanntheitsgrad) zu verhelfen.

Sämtliche Einnahmen von zahlungskräftigeren Kunden bleiben im Unternehmen und ermöglichen es uns, nachhaltige Startups kostenfrei auf unserer Plattform zu fördern und so kleine, aber innovative „Projektpflänzchen“, mit großzuziehen. Vielleicht mausern die sich ja dann zu den Kunden, die uns und die Notwendigkeit zu mehr Nachhaltigkeit in zwei/drei Jahren unterstützen. 

Vom globalen Trend hin zur Video-Plattform für Nachhaltigkeit: Wie ist dir eigentlich die initiale Idee für das Nachhaltigkeits-YouTube gekommen bzw. wie ist diese entstanden?

Angeregt durch die unermüdliche Arbeit zahlreicher großer und kleiner Organisationen zum Klimaschutz und zu mehr sozialer Gerechtigkeit, entstand der Wille, auch einen werteorientierten Beitrag zu leisten. Die 30-jährige Erfahrung als Unternehmensberater und Interim-Manager für die Kappe & Company GmbH war da natürlich hilfreich, um gute von schlechten Ideen zu unterscheiden.

Schnell war klar, dass kein weiteres Produkt benötigt wird, sondern die vielen innovativen Ideen im Nachhaltigkeitssektor eine gebündelte Power brauchen und somit ein Treiber des Wandels zu mehr Nachhaltigkeit entstehen sollte.

Während dieser Überlegungen, haben wir uns Videos von nachhaltigen Unternehmen angeschaut und waren über die Vielzahl und Innovationsstärke dieser Anbieter verblüfft. Auffällig war, dass es bereits viele kleine Initiativen mit guten Videos gibt, die allerdings auf großen, undifferenzierten Plattformen kaum zu finden sind und daher nur selten gesehen werden.

Dabei wurde uns auch bewusst, dass nur in Videos Bewegtbilder, Musik, Töne, Sprache, Texteinblendungen und Spezialeffekte miteinander kombiniert werden können. Dies erzeugt Stimmungen und Emotionen, wodurch sich die Botschaften von Videos besser einprägen und zu gewünschten Verhaltensweisen, wie z. B. nachhaltiger Ernährung, motivieren.

Der Rest war reine Kombinatorik. Man nehme zwei Megatrends und kombiniere sie. In unserem Falle also die stetig steigende Bedeutung von Videos für die Vermarktung von Produkten und der dynamisch wachsende Markt für nachhaltige Produkte und Initiativen. Fertig!

Konrad Kappe (CEO & Founder MyBetter.World)

Man spürt, du bist Nachhaltigkeits-Enthusiast durch und durch, und brennst schon lange für dieses Thema. Wann und wie kam es schließlich zur Unternehmensgründung?

Die formelle GmbH-Gründung erfolgte im Mai 2019. Danach wurde viel Geld und Arbeit in die Entwicklung der Videoplattform und in die weitere Präzisierung der Geschäftsidee investiert. Seit Oktober 2019 sind wir online.

Zunächst lag der Fokus auf der Akquisition von Content. Die ersten Monate lief es sehr langsam an. Potentielle KundenInnen fragten nach unseren Besucherzahlen oder unserem Mediadaten-Kit. Aber ohne ausreichend Inhalte machte es keinen Sinn, BesucherInnen auf unsere Plattform zu holen. Es geht ja auch niemand in ein Kino, in dem noch keine Filme gezeigt werden.

Wir achten seit Beginn sehr darauf, unsere Kostenstrukturen variabel zu halten und arbeiten vorwiegend mit externen Dienstleistern. Im Februar 2020 haben wir ein professionelles CRM-System eingeführt. Zusätzlich konnten wir Linda, unseren ersten Eco-Angel für die Mitarbeit gewinnen. Seitdem erfolgt die Kundenansprache strukturierter und deutlich dynamischer als zuvor.

Inzwischen entwickeln sich Content und Traffic mit zunehmender Geschwindigkeit in die richtige Richtung. In den ersten sechs Monaten konnten so bereits über 150 nachhaltige Unternehmen für diese neue Form des Performance-Marketings gewonnen werden.

Im Netz tummeln sich ja einige Portale und Plattformen, die sich mit dem Megatrend Nachhaltigkeit auseinandersetzen und dabei oftmals auch entsprechende Education- sowie Bewegtbild-Formate anbieten. Wer genau sind dabei eure Wettbewerber und wie unterscheidet ihr euch von ihnen?

Wenn man überhaupt von Wettbewerb sprechen will, dann sind das die großen, undifferenzierten Videoplattformen. Dort muss man schon sehr genau wissen, was man sucht, um über deren Suchfunktionen unter Millionen Videos überhaupt fündig zu werden.

Dieses Problem haben insbesondere kleine und unbekannte Initiativen oder Unternehmen, die dort ihre Videos hochladen. Andererseits werden deren Webseiten nicht gefunden, da man dafür zumindest den Namen des Unternehmens kennen muss. Viele nachhaltig orientierte Verbraucher*innen wollen aber nicht mehr mühsam nach Webseiten und auf riesigen Video-Plattformen herumsuchen.

Auf MyBetter.World hingegen gibt es den „gemeinsamen Nenner“ Nachhaltigkeit. Es ist also eher der Community-Gedanke, der unsere BesucherInnen beschreibt.

Nachhaltigkeit ist eine Lebenseinstellung, ein Lifestyle. Der Nachhaltigkeitsgedanke trägt durch alle Lebensbereiche, sei es Versorgungsverhalten, soziales Engagement, Information oder Inspiration.

Im Unterschied zu den großen Plattformen haben wir uns deshalb für eine klare Struktur von Kategorien, wie beispielsweise „Essen & Trinken“, „Kosmetik & Pflege“ oder „Energie & Wasser“ entschieden, die unserer Community beim „Stöbern“ durch ihre Interessensgebiete hilft. Dies wird durch unsere Suchfunktion lediglich unterstützt.

Ein weiterer Unterschied ist, dass wir keinerlei Bewertung unserer Kundenvideos durch die Anzahl der Aufrufe, Likes oder Kommentare zulassen. Hierdurch wird die Beeinflussung unserer BesucherIinnen verhindert und die Chancengleichheit für unsere Anbieter sichergestellt. Auch bei uns gilt somit: Gerechtigkeit ist die Basis für Nachhaltigkeit!

Gerade kleinere Unternehmen mit nachhaltigen Angeboten werden jetzt endlich sichtbar und erhalten so die Möglichkeit, ihre Verkaufsergebnisse und ihren Bekanntheitsgrad signifikant zu steigern. Zudem sind die Kosten für unsere Abonnements deutlich geringer, als auf Werbeplätzen mit erkennbar höheren Streuverlusten.

Jetzt bekommen eindrucksvolle Videos auch die Aufrufe, die sie verdienen, und zwar exakt durch die InteressentInnen, die diese Produkte auch suchen. Ein wichtiger Aspekt für unsere Anbieter ist natürlich auch, dass durch die direkte Verlinkung der Videos, die Weiterleitung zu deren Online-Shop oder Webseite erfolgt. Die Wirkung des Videos führt somit zeitnah zu den gewünschten kommerziellen Effekten.

Kurzum: ihr seht euch in der Rolle eines Mediums, macht das Thema Nachhaltigkeit für jedermann einfach zugänglich und mittels Video-Content auf informative und emotionale Weise erfahrbar?

Exakt. Als Unternehmen wollen wir möglichst vielen Menschen den Nachhaltigkeitsgedanken vermitteln, ohne dies mit erhobenem Zeigefinger zu tun. Da sich insbesondere die jüngeren Generationen vorzugsweise über das Medium Video informieren und inspirieren lassen, hoffen wir, über unsere Plattform genau die Bevölkerungsschichten zu erreichen, die bereit sind, über ihr Verhalten nachzudenken und dieses ggf. zu ändern. Dies wollen wir auf interessante und unterhaltsame Art, also mit kurzweiligen und informativen Videos erreichen.

Hand auf’s Herz: Ist eine nachhaltige Lebensweise teurer als eine konventionelle? 

Das ist eine ganz entscheidende Frage, die seit langem kontrovers diskutiert wird. Ohne hier auf die vielen Beispiele und endlosen Argumente einzugehen, ist es wohl eher das Problem, dass bei einer weniger nachhaltigen Lebensweise die Kosten, die die Umwelt und die Gemeinschaft mittel- bis langfristig tragen müssen, nicht in den Preisen der Produkte berücksichtigt sind. Der oft zitierte Gedanke der „Lenkungswirkung“ ist hierfür m. E. entscheidend.

Hier könnten Heerscharen von Kostenrechnern und Controllern beschäftigt werden, um für jedes Produkt und jede Verhaltensweise die entsprechende Vollkostenrechung aufzustellen. Ich bin absolut sicher, dass sich unser Verhalten dann sehr schnell ändern würde, weil es sich dann kaum noch jemand leisten könnte, nicht nachhaltig zu agieren.

Wie geht es mit MyBetter.World in Zukunft weiter? Welche nächsten Schritte plant ihr?

Grundsätzlich möchten wir uns dazu noch etwas bedeckt halten, aber es gibt schon einige interessante Ideen, deren Belastbarkeit wir gerade prüfen.

Beispielsweise machen wir derzeit sehr gute Erfahrungen beim Aufbau eigener SinnfluencerIinnen in unserer Kategorie „Trust us“. Hier geht es weniger um Produktwerbung, sondern eher um ein ehrliches Feedback von authentischen Menschen, die sich auf das Testen nachhaltiger Produkte spezialisiert haben und nicht von Werbeeinnahmen abhängig sind. Wir beobachten dabei eine Tendenz, weg von den großen Plattformen und hin zu spezialisierten Foren wie MyBetter.World. Dabei koordinieren wir alle erforderlichen Aktivitäten, bis hin zur Verbreitung in Social-Media Kanälen und natürlich auf MyBetter.World.

Zusätzlich bieten wir jetzt auch Unternehmen, die noch kein Video über ihre nachhaltigen Produkte haben, eine kostengünstige Videoproduktion an. Hierzu bauen wir gerade ein Netzwerk mit Videographen auf, die genau wissen, wie man nachhaltige Themen in Szene setzt, ohne dass dafür gleich ein Vermögen bezahlt werden muss. Jetzt rücken also sogar Start-ups oder kleine, regionale Erzeuger in den Fokus der KonsumentInnen, indem sie diese Videos auf MyBetter.World präsentieren.

Aktuell stampfen wir zusätzlich ein eigenes Interview-Format aus dem Boden, auf das sich unsere Besucher*innen schon freuen dürfen.

Mittelfristig werden Themen wie High-Frequency-Formate und Internationalisierung relevant.

Berlin: “The place to go green?” Was bedeutet die Bundeshauptstadt für dich als Unternehmensstandort, aber auch für dich persönlich?

Unser Sitz ist in Falkensee, also im „Speckgürtel“ und nicht direkt in der Hauptstadt. Die Nähe zum Start-up Hotspot Berlin spielt für die Gewinnung von Mitarbeitern sicher eine Rolle. Durch unser digitales Geschäftsmodell, einschließlich der von uns genutzten Systeme, sind unsere Mitarbeiter allerdings standortunabhängig einsetzbar. Wirklich interessant ist Berlin daher aufgrund der ausgeprägten und innovativen „Green-Scene“, in der viele gute grüne Idee ihren Ursprung haben und die man durch unsere Nähe zu Berlin hautnah erfahren und miterleben kann und deren Akteure unsere potentiellen Kunden und auch Besucher sind.

Ein herzliches Dankeschön an Konrad Kappe für das spannende Interview und den Einblick in das Sustainability-Startup MyBetter.World.

Weitere Informationen zu MyBetter.World: